Leuchtturm Netz

Was hinter den Kulissen läuft

Kriegskinder erinnern sich – Berichte von traumatisierten deutschen Kindern

Ein Kommentar

bunker-1817491_640

Eigentlich wollte ich mich momentan nicht so doll mit dieser Thematik beschäftigen, zu sehr betrübt es mich….

Doch bin ich jetzt über Lupo Cattivo an dieses Video gekommen, welches mich mehr als berührt hat.

Es erinnert mich an die Berichte unseres Vaters, unserer Grossväter und Mütter. Vati sagte immer, dass er derjenige war, der am schnellsten im Luftschutzkeller war, kaum dass die Sirenen losgingen. Meine Grosseltern mussten fliehen aus Pommern, waren Vertriebene, die über Berlin ins Ruhrgebiet kamen. Dazwischen immer wieder Bombenangriffe, Angst, Kälte, Hunger, Müdigkeit…..Sie kamen dann nach Bochum, wo ebenso heftige Angriffe waren, die Ängste weiter vorhanden….

Nach dem Krieg gab es kaum Arbeit für meinen Opa dort, musste unter Tage malochen gehen. Auch die Oma, in Pommern Köchin in einem Gutshaushalt gewesen, fand jetzt keinerlei Arbeitsmöglichkeit mehr um die Familie zu ernähren. Es gab kaum vernünftige Wohnmöglichkeit, das ganze Haus war vollgestopft mit Menschen die kein Dach über dem Kopf hatten. Ich weiss noch genau wie die Wohnung aussah, in der sie bis zm Abriss der gesamten Strasse, lange nach dem Krieg, gewohnt hatten, da hatte sich seit Kriegszeiten nur wenig verändert.

Es waren drei hintereinander liegende Zimmer. Man betrat die grosse Wohnküche, die gleichzeitig Wohnzimmer war, danach ein dunkles Zimmer ohne Fenster, ein Bett rechts für Vati, ein Bett links für seine Schwester, danach kam das Elternschlafzimmer.

Toilette war draussen auf dem grossen Flur, eine halbe Treppe tiefer. Fliessend Wasser gab es auch nur auf dem Flur jeder Etage, Badezimmer….nö, gab es nicht, es wurde sich gewaschen, manchmal in einer Zinkbadewanne gebadet. Die Heizung war der grosse Herd, auf dem gekocht wurde, darüber die Wäsche getrocknet. Im Winter liess man die Türen zu den anderen Zimmern auf, damit es etwas verschlagen war von wärmerer Luft, und wenn es ganz kalt war, dann gab es alte Wärmflasche aus Zink oder einen eingewickelten Backstein ins Bett.

bed-bottle-240252_640

 

Ich habe viele Jahre später auf Grund einer persönlichen Belastungssituation in einigen Familienaufstellungen das erste Mal erfahren, wieviel Angst unser Vater in seinem kindlichen Gemüt gespeichert haben musste, welches sich auf uns Kinder auf unbewusster Ebene übertragen hat. Mein Auslöser war eine Situation in der Münchner U Bahn, zur Wiesn Zeit…..es waren einige Züge auf Grund von technischer Störung ausgefallen, die Bahnsteige rappelvoll…..ich brauchte nur drei Stationen und dachte mir, gut dann steige ich in dieses Gewusel ein. Ich wurde förmlich hineingedrängt in das Abteil, es folgten mehr und mehr Menschen, ich wurde eingezwängt. Auf einmal kam Panik hoch, ich merkte wie mir schlecht wurde, begann zu hyperventilieren, kam mir vor wie verschüttet…..muss dann wohl gesagt haben, dass ich raus will und habe wohl geistegegenwärtig nach dem Türöffnungsgriff gefasst. Glücklicherweise stand neben mir ein Mensch, der meine Panik wahrgenommen hat, nahm sich meiner an, stellte sich neben mich und redete mit mir, beruhigte meine Atmung indem er mich auf seine Atmung einstimmte, lenkte mich ab, fragte wo ich hin müsste und dass mir nichts passieren würde, er wäre so lange da bis ich aussteigen würde…..

Irgendwie hab ich es überstanden, stürmte aus der U Bahn, war froh wieder frei zu sein. Ich konnte mich noch nicht einmal bei diesem Mann bedanken, so sehr war ich bei meinem Thema. Ich wusste, dass es etwas Altes war, was jetzt bei mir stattgefunden hatte und bin es mit Familienaufstellungen angegangen.

Ich habe in einer dieser Aufstellungen den Vater wahrgenommen, seine Gefühle, als er zu den Füssen seiner Mutter hockend, sich anklammernd an ihre Beine, versucht hat sich an irgendetwas festzuklammern um nicht verlorenzugehen. Dieses Bild habe ich sofort wieder, wenn ich darüber rede oder schreibe, lässt mich viele Eigenheiten des Vaters besser verstehen und akzeptieren.

Bin später noch mehr in die Tiefe gegangen mit anderen therapeutischen Methoden, und es deckt sich mit den Beschreibungen die im folgenden Video gezeigt und dargestellt werden.

So authentisch die Berichte sind, die hier gezeigt werden, so stört mich doch ungemein, dass die Ursacher der Bombardements nicht klar benannt werden, dass wiederum auf der Schuld und Sühnefrage herumgeritten wird, dass wiederum vom Moderator des Videos impliziert wird, dass jüdische Kinder mehr gelitten hätten als deutsche Kinder, das stört mich ungemein, da es einfach nicht authentisch ist. Damit hilft man diesen Seelen, die so viel Grausamkeit miterleben mussten wieder nicht, nein, man pflanzt ihnen weiterhin Schuld ein…..das haben sie nicht verdient.

Mir fehlt dabei, dass klar diejenigen benannt werden, die Kriegstreiber mit gewesen sind und die Zivilisten bombardiert haben, welches als Kriegsverbrechen benannt ist. Dazu gehörten England / Churchill als auch die amerikanischen und französischen Verbündeten.

Es lohnt sich dennoch den Film anzuschauen, warne jedoch vor:  das was die grossen Kinder erzählen, berührt……

 

 

 

 

 

**** Leuchtturm sein ist manchmal ganz schon schwer und traurig  😦 ****

Advertisements

Autor: mariettalucia

Aaaaalso......um das mal klarzustellen: DAS bin ICH nicht ;-) Aber es war mal eine Schneeschwemme im Süden der Republika und irgendwie musste ich den Schnee auf der Terrasse dezimieren......daraus wurde meine SCHNEEKÖNIGIN :-D

Ein Kommentar zu “Kriegskinder erinnern sich – Berichte von traumatisierten deutschen Kindern

  1. Hat dies auf glauben_ist_nicht_wissen rebloggt und kommentierte:

    Schmerz und Qual themenbezüglich ist so weitreichend, daß selbst Enkel und und Urenkel noch davon zehren.

    Gefällt mir