Leuchtturm Netz

Was hinter den Kulissen läuft

Eine Bresche für Gemeinsames bei Punk, Rock, Volksmusik und Schlager aus der Sicht eines Trommlers

Ein Kommentar

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Ein Brief an einen im Herzen verbundenen Freund, mit dem ich Punkrock gemacht habe. Unsere musikalischen Wege haben sich mittlerweile getrennt. Aber wer weiss…

Mein Lieber,

ich möchte ein paar Gedanken mit Dir teilen zu etwas fast Vergessenem aber sehr Grundlegendem in der Musik: Der Puls/Herzschlag. Aber vielleicht ist das alles schon lange Kalter Kaffee für Dich.
Bitte schreib mir, was Du darüber denkst, ich habe Deine Meinung immer sehr geschätzt. Oder lass uns telefonieren oder treffen. Vielleicht kannst Du ja mal verschnaufen, bei Deinem momentanen Vollgas 😉
Heute beim Üben für eine neue Band fiel mir auf, wie immens wichtig neben der Schnarrtrommel der Herzschlag ist. Er verleiht der Musk das Leben, die Verbindung mit anderen Menschen, das gemeinsame Schwingen, die Resonanz. Die „gute Unterhaltung“ wie Du vielleicht sagst. Oder auch nicht, wenn nicht vorhanden oder gestört durch schlechte Musiker.
Der alte Witz mit Klatschen bei 2,4 = gut, weil Anglo-Am; 1,3 = schlecht, weil deutsch: Schlager, Volksmusik ist Unfug, um es nicht mit einem unfreundlicheren Namen zu bedenken.
Notenmäßig ist der Puls/Herzschlag fast immer die 1/4. Notiert oder gefühlt, egal. Beim 2/4 Punk, Walzer oder Polka die „1“.
Was ist heute passiert ? Ein schnelles Stück mit dem guten alten Punkrock-Groove: Dum Da Dumdum Da, hat einfach nicht mit der Musik harmoniert. Weil es sich um ein Frei.Wild Rock-Stück (Süd-Tirol) handelte, hab ich mir vorgestellt, ich spiele die 1/4 auf der großen Marschmusiktrommel (wo die BD ja herkommt) zur Volksmusik. Und auf einmal pulste das Ding. Kam ins Schwingen, Rocken und grooven und mir standen die Tränen in den Augen vor Überwältigung. So einfach war das. Gedanken und Gefühle purzelten durcheinander.
Die moderne Musik, abgesehen von FreeJazz, egal welche, vereint die Zuhörer und Musiker durch den gemeinsamen Herzschlag, den Puls. Und zwar immer durch die gefühlten Viertel. Auch der menschliche gesunde Herzschlag ist sehr variabel, Mittelwert bei 60 bpm, kann zwischen 40 und 120 oder noch mehr bpm bei heller Aufregung schwanken.
Musiktechnisch kann der Puls die 1/2, 1/4, oder 1/8 sein. Es kann hauptsächlich ein 2/4, 3/4 oder 4/4 Takt sein.
Also, alles Quatsch mit Volksmusik, Schlager und diesen „verdammten“ Genres mit „1 und 3“. Dies wurde der Musik von dummen, provokativen Gestalten angedichtet. Und die meisten haben’s geglaubt. Mich eingeschlossen.
Bei Volksmusik, Schlager etc. macht die Basstrommel den Herzschlag/Groove. MIT DEN VIERTELN. Nicht 1 und 3. Nicht „Uff-Da“, sondern Bum, Bum, Bum, Bum. Wie unser eigenes Herz. Der wirkungsvollste Schlagzeuggroove (bei dem die meisten Leute tanzen, oder zumindest mit dem Fuss wippen)  ist nach wie vor der der gute alte: „Four on the Floor“, also mit 1/4 Bassdrum. Vielleicht hält sich deshalb auch HipHop&Co. so lange, weil die Menschen den Herzschlag in der anderen Musik vermissen.
Der Herzschlag isses ! 😉 Jetzt brauche ich mich nicht mehr zu wundern, warum mir die „Spatzen“ so gut gefallen haben 🙂
Herzliche Grüße,
Piet.
„Spatzen“ = Kastelruther Spatzen aus Südtirol. Googeln 😉
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Ein Kommentar zu “Eine Bresche für Gemeinsames bei Punk, Rock, Volksmusik und Schlager aus der Sicht eines Trommlers

  1. Was für eine schöne Beschreibung Piet und ein Hoch auf die Volksmusik, auch wenn darüber meist geunkt wird.
    Ich denke, deshalb sind diese Sendungen auch so erfolgreich im TV, nicht nur weil es ein Stückl heile Welt ist, nein, ich denke auch deshalb, weil es ein Stück Herzensebene repräsentiert, den eigenen Herzschlag…..

    Ich konnte früher immer wunderbar bei HR 4 Schlagerradio die Wohnung in Schwung bringen, während des Staubsaugens gaaaaanz laut mitsingen, damit einen ja keiner hört…..Volksmusik zu mögen, na ja, da wurde man schon schräg angeschaut.
    Erst als unser Vater dank seiner lieben neuen Freundin Isolde, die selbst musizierte, sehr gut Schifferklavier spielen und auch sehr gut singen konnte, dann öfter diese Musik im Radio hörte und einfach dazu stand diesen Stil zu mögen, konnte ich auch ein bissl besser dazu stehen.

    Ich bin zwar immer noch eher anderen Musikstilen zugeneigt, aber auch da eher die, die die Herzensebenen berühren.

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