Leuchtturm Netz

Was hinter den Kulissen läuft

Selbstversorgung – wie war das noch anno dunnemals – so vor 100 Jahren und später…Mariettalucia erzählt….

4 Kommentare

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Angesprochen von dem Vortrag des Landwirtes Gottfried Glöckner, als auch von Gottfried dem Selbstversorger, hab ich mich mal auf eine kleine Zeitreise ins Netz begeben.

Klar, aus der Literaturgeschichte kenne ich viele Erzählungen wie von Heinrich Böll „die Waage der Baleks“, Thomas Mann „die Buddenbrooks“ , Gottfried Keller „die Leute von Seldwyla“, Heinrich Mann „der Untertan und Prof. Unrat“, Gerhart Hauptmann „die Weber und Bahnwärter Thiel“, nur um mal einige zu nennen, deren Geschichten mich schon zu Schulzeiten angesprochen haben, weil sie mich berührten.

Erinnerungen kommen hoch, Bilder…..

Damals wusste ich noch nichts davon, was die Berührung ausgelöst haben mochte, jetzt komme ich ihm näher. Ich spüre die Verbundenheit mit diesen Menschen, konnte ihr Leben nachvollziehen, ihre Probleme und Emotionen das Leben in all seiner Einfachheit leben zu können, oft auch das ÜBERleben.

Ich konnte ihre Gefühle wahrnehmen, das Leiden, den Verlust, die Plackerei, aber auch die kleinen Freuden und die Wertschätzung für alles was ist. Wie Thom Ram vorhin in seinem Beitrag über „seinen Stamm suchen“ erwähnt hat….diese Worte und sie zu Leben sind in der Jetztzeit wichtiger denn je.

gefunden in Sein.de „Ich suche meinen Stamm“

Es gab vor ca. 15 Jahren mal eine Serie im TV, die man tatsächlich auch noch anschauen konnte, da es damals noch nicht allzu gestellt wirkte. Ich fand es spannend damals zu sehen WIE schwer es uns heutigen Menschen fällt mal eben 100 Jahre zurück zu gehen. Es ist unvorstellbar ohne Strom und all dem gewohnten Luxus überhaupt leben zu können. Die Erfahrungen, die diese Menschen machten, die Bewusstseinsentwicklung selbst wenn sie nur für eine kurze Zeit währte, ist glaub ich nicht zu unterschätzen.

Auch die anderen drei Serienteile lohnen sich anzuschauen, wer dann mag….

 

Auch wenn es für Einige ausschauen sollte wie „eine alte harte Zeit verklären zu wollen“, so ist es eher etwas Anderes. Ich möchte nicht verklären, denn ein Dorfleben ist bei aller Liebe kein Zuckerschlecken…..man ist unter Beobachtung, denn die Menschen schauen aufeinander. Doch das was bei mir hängengeblieben ist, das ist das, was mir meine Ahnen mitgegeben haben, die Wertschätzung für das was ein Miteinander ausmacht, dieses sich aufeinander verlassen können, sich gegenseitig unterstützen, aushelfen wenn Not irgendwo ist, und DAS mit den einfachen und oft nur geringen Mitteln die man hatte.

Muss grad ein bissl weinen, die Ahnen sind präsent jetzt und damit meine Dankbarkeit ihnen gegenüber.

❤  Gruss in die Anderswelt und DANKE ❤

Ich erinnere mich an meine Kindheit, meine Grosseltern waren eine einfache bodenständige Familie, Oma kam aus Kleinbauernfamilie, Opa war ein einfacher Arbeiter in einer Schleifsteinfabrik. Der Krieg machte es notwendig, dass Oma sich irgendwie mit ihren KIndern über Wasser halten musste, denn Opa war zweimal in Kriegsgefangenschaft gewesen. Die Erzählungen darüber, was sie aus einfachsten Dingen der Natur hergestellt hatten, die Freude darüber am Sonntag eine dünne Scheibe Leberwurst auf dem Brot zu haben, oder frisch gekochten Zuckerrübensirup, die Fische und die Aale, die der Onkel ergattert hatte und geräuchert wurden im Schornstein….eine wahre Delikatesse im Leben mit den einfachsten Grundnahrungsmitteln und manchmal sogar noch weniger. Wohl dem der noch einige Hühner hatte, eine Ziege, ein Schwein….

Nach dem Krieg wurde bei uns immer im Herbst geschlachtet (wenn es kalt wurde) , noch bis Ende der 60iger hinein. War ein riesiger Aufwand, es wurde für drei Familien geplant, dazu war über eine Woche Arbeit notwendig, wobei die alle Familienangehörigen mithalfen. Drei Schweine reichten über den Winter für  12 Personen. Veganer hätten etwas Schwierigkeiten gehabt über den Winter zu kommen 😉 aber damals gab es halt keine Bioläden mit Superfoods und anderem Energiefutter. Energiefutter war das, was man im Sommer und Herbst fand:  Beeren, Kräuter, Grünzeugs, gelbe Rüben und Rote Bete…..Sanddorn, Ebereschenbeeren, Hagebutte, Preisselbeeren und Holunder, aber im Winter auch milchsauer vergorenes Gemüse wie Sauerkraut und Schnibbelbohnen, die in grossen Steintöpfen eingelegt wurden, mit einer grossen Holzscheibe abgedeckt und mit einem Stein befestigt, damit keine Luft daran kam und es verdarb….und vor allem keine Viecher. Und besonders schön waren der Spätsommer und Herbst, wenn es in die Pilze ging, Im feuchtwarmen August morgens bei Sonnenaufgang gingen wir auf die Wiesen unten beim Dorf, wo man die Champignons wachsen sehen konnte, und später im September/Oktober lecker Steinpilze und Pfifferlinge. Unser Vater hatte die „Steinpilz Nase“, er konnte sie schon von Weitem riechen und kam mit den besten Fundstücken nach Hause 🙂

Hier noch ein sehr schöner informativer link wie um 1900 in vielen Familien und Dörfern gelebt wurde

Hier gibt es dies und jenes aus dem Leben der Leute von 1875 bis 1910

Das ganze Jahr über wurde bei uns das eingekocht, was nicht gegessen werden konnte, damit man im Winter etwas hatte. Tiefgefrierer gab es nicht, Kühlschrank auch nicht, kenne sogar noch dass bei Omma der Eismann kam und Stangeneis brachte für den KühlSchrank. Konserviert wurde mit dem was man hatte, also eingekocht, getrocknet, gesalzen oder geräuchert.

Und jetzt bitte kein Bioladenfreunde Gezeter, dass da keine Vitamine drin sind. Es war in dem Moment ziemlich egal, es ging darum „wie komme ich am besten über den Winter mit meiner Nahrung“ Komischerweise waren die Menschen weniger Infekt anfällig gewesen, ich denke das lag auch viel daran, dass sie regelmässig an der frischen Sonnenluft waren und von dort eben genug an Lebensenergie bekamen….damit fühlten sich die Zellen wohl.

Und da ich die die bayrischen Menschen gerne mag, hier etwas bayrische Eindrücke

Donnersbachtal anno 1950

doch auch meine norddeutschen Freunde sollten nicht zu kurz kommen, aber komischerweise gab es keine vernünftigen Dokus im Netz über die „Friesen“. Aber dafür einen schönen friesischen Walzer

 

Ich hoffe ich konnte Euch mit meinem kleinen persönlichen Ausflug in die alte Zeit ein wenig erfreuen……und ich würde mich freuen, wenn ihr ein wenig von euren Erlebnissen mit mir / uns teilt…..

 

 

**** der Leuchtturm strahlt auch gern auf anno dunnemals ****

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Autor: mariettalucia

Aaaaalso......um das mal klarzustellen: DAS bin ICH nicht ;-) Aber es war mal eine Schneeschwemme im Süden der Republika und irgendwie musste ich den Schnee auf der Terrasse dezimieren......daraus wurde meine SCHNEEKÖNIGIN :-D

4 Kommentare zu “Selbstversorgung – wie war das noch anno dunnemals – so vor 100 Jahren und später…Mariettalucia erzählt….

  1. Politisch korrekt wäre wohl Nord-Osten besser, für mich ist Mecklenburg der Norden.

    Die Stille, die Gerüche vom Meer und überhaupt die Wirkung von Mutter Natur kann man nicht beschreiben, man muß sie spüren.

    Der Mensch braucht keine Reizüberflutung!

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  2. Danke für diesen Beitrag – fühle ich mich doch in meine eigne Kindheit zurückversetzt, obwohl ich doch noch jung (zugegebenermaßen ist das relativ). Auch wenn ich in einer Stadt geboren bin, ist das Land immer meins gewesen und nur dort fühle ich mich Zuhause.

    Manches Moderne ist hier im Norden immernoch nicht ganz angekommen, aber es ist vollkommen in Ordnung.

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    • Ich weiss zwar nicht wo im Norden Du zuhause bist, aber ich kann mich entsinnen, dass ich damals, als ich noch in Bremen gewohnt habe, öfter mal fen Norden ans Meer gefahren bin.
      Kann mich an eine ziemlich leere Autobahn erinnern und nach Bremerhaven gab es fast nur Wiesen, Kühe, kleine Mini Dörfer, wieder Wiesen und Kühe, Gehöfte…….auch die friesischen Küstenstädchen waren alles Andere als Schickimicki Orte.
      Hab die Athmossphäre dort sehr gemocht, die Menschen waren so ruhig, haben wenig gesnackt, haben Ruhe weitergegeben, waren in ihrer Einfachheit zuhause , gerade die, die nicht viel hatten.

      Auch die Ecke um Worpswede, da wo das Moorgebiet anfängt, hat seinen ganz eigenen Reiz gehabt.
      Kann mich erinnern an einen Spaziergang mit Freunden die dort in einer kleinen Bauernkate wohnten; es war November, schon seit Tagen war alles grau in grau, aber wir hatten das Bedürfnis rauszugehen.
      Als wir dann unsere kleinen Moorinseln abliefen, den weichen beweglichen Wiesenboden unter uns spürend, die Stille die dort im Moor herrschte in uns aufnahmen, da geschah so etwas wie „die eigene Stille wahrnehmen“, ein ganz besonderer, berührender Moment war das….

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  3. Hat dies auf behindertvertriebentessarzblog rebloggt.

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